7. „Erna kommt !“

Man kann sich nicht ausmalen, was man alles in vier Wochen auf die Beine stellen kann. Die wichtigste Voraussetzung dafür ist jedoch der Wille und die richtige Motivation.

Bis Ostern 🐣 2019 waren es nur noch wenige Wochen. Es gab soviel zu tun! Mir wurde schon ganz schwindelig, bei dem Gedanken was alles zu erledigen ist. Die einzige Chance, die ich sah, um dem Chaos Herr zu werden, war eine Liste zu schreiben!

Ich holte den großen Flipchart heraus! So haben wir es damals auch gemacht, bei unserer Hochzeitsplanung mit Erika, Wilfried und Olli im Jahr 2017. Alles was bis zum TAG X erledigt werden musste, haben wir auf dem Flipchart notiert! Step zwei war es, denjenigen dahinter zu schreiben, wer es ausführt oder verantwortlich ist! Das ist besonders wichtig !

Die erste Belohnung bestand darin, mit einem dicken Edding, die Aufgabe durchzustreichen. Voraussetzung dafür war jedoch, man hatte sie auch erledigt 🤣! Die zweite Belohnung war das gute Gefühl, wieder etwas erfolgreich erledigt zu haben.

Das allerwichtigste war es, auch während der vielen Arbeit, die positive Stimmung aufrecht zu erhalten. Wie heißt es so schön:

Nur glückliche Kühe 🐄 geben Milch“

-unbekannt-

Helmut machte auch jeden Spaß mit. Sowas hatte er sich immer gewünscht! Hand in Hand, ohne Streit. Alles wurde besprochen und er ließ uns gewähren. Er war eher dankbar, dass nach allem was bisher gewesen ist, ein Sonnenstrahl auf seinen Hof fiel.

Er erzählte uns, dass der Hof seit gut 300 Jahren im Familienbesitz „Schweres“ ist und das der jeweils erstgeborene Sohn den Hof übernommen hat. Die erstgeborenen Söhne hießen immer „Friedhelm!

Wir wir nun alle wissen, heißt unser Altbauer aber „Helmut“! Was ist mit seinem Bruder passiert?

Fortsetzung der Offenbarung

„Ich hatte nie vor gehabt Landwirt zu werden. Mein Bruder Friedhelm sollte den Hof erben und führen. Mein größter Wunsch war es, zur See zu fahren 🚢🛳🌊! Aber das Leben hatte andere Pläne für mich“

„Ich war damals jung, ca. 16 Jahre , da fing ich im April bei Flender an. Die Firma hat Eisen geschmolzen. Mein Bruder Friedhelm befand sich in der Ausbildung. Als mein Vater im Oktober erkrankte, musste ich dort aufhören und zum Hof kommen. Die Arbeiten mussten ja hier verrichtet werden. Geplant war es den Hof weiterzuführen, bis mein Bruder seine Ausbildung beendet hat.“

Helmut hatte nie wirklich eine Ausbildung, im klassischen Sinn, gemacht. Früher war eben alles anders, erzählte er uns. Er bekam ein Angebot, in einer Eisengiesserei. Dort sollte er 🏗 Kranführer werden.

Man gab ihm eine Woche Zeit, sich mit dem Kran 🏗 vertraut zu machen! Zuvor hat er noch nie eine Baumaschine bedient. Dann musste er einen, der verantwortungsvollsten Jobs ausführen. Er musste geschmolzenes Eisen entleeren. Neben diesen großen Kokillen, so nennt man diese Behälter, standen Menschen. Ein Fehler und sie wären tot gewesen, so berichtete er sehr ernsthaft. Man musste zu 1000% bei der Arbeit sein und immer fokussiert die Aufgaben erfüllen. Da durfte kein Fehler passieren! Ein Fehler hätte schwere Folgen gehabt. Er kniff die Augen zusammen und man sah noch einmal, wie er konzentriert den Kran bediente. Es sorgte bei uns für einen Gänseschauer.

Ich habe ein Foto im Netz gefunden, welches ich hier gerne für euch verlinken möchte. So hat man eine ungefähre Vorstellung, von dem was Helmut erzählt.

https://www.fotocommunity.de/photo/kokillenguss-hoeschstahl/12111206

„Ich hatte soviel Angst, aber keine Zeit mir in die Hose zu machen.! Keiner fragte danach, ob ich das wirklich kann oder will, alle haben sich einfach auf mich verlassen.“

Deutschland 🇩🇪 war im Wiederaufbau und jede Hand wurde gebraucht. Da hat keiner nach Papieren gefragt, sondern nur ob du anpacken kannst. Noch heute erkenne ich am Gangbild eines Menschen, ob er etwas erreichen kann bzw. arbeiten kann.“ so erzählte er stolz weiter.

Kaffee und Kuchenzeit gehörte inzwischen zu einer sehr wichtigen Einrichtung. Manchmal diente die Auszeit für eine Therapiestunde, Geschichtsstunde oder um neue Ideen zu schmieden und sich auszutauschen.

Das wichtigste was man braucht, wenn regelmäßig Kuchen 🍰 auf den Tisch stehen soll, war ein funktionierender Herd mit Backofen. Der kam dann auch. Einfach aber zweckmäßig.

Jetzt können wir backen und kochen 🧑‍🍳

Helmut hatte meine Mutter kurz auf unserer Hochzeit persönlich kennengelernt, aber so genau konnte er sich nicht mehr an sie erinnern. Es war an dem Tag so ein Trubel und so viele Menschen dort, dass er sich nicht alles gemerkt hatte. Zudem hatte er damals auch noch Marlies an seiner Seite und war nicht auf Brautschau 🤣!

Er fragte nun ständig, wie meine Mutter so ist und warum sie mich nie besucht hat. Ich erzählte ihm von ihr und ihren Talenten. Die Vorfreude auf den anstehenden Besuch stand ihm förmlich im Gesicht geschrieben! Auch Anja und Richie fand er toll.

Ich erzählte ihm, dass meine Mutter damals eine Kuh von einem Bauer anvertraut bekam, mit der sie immer spazieren gehen musste, damit sie und ihre Schwester eine Scheibe Brot 🍞 vom Bauer bekamen. Oft war diese Brotscheibe sogar schon belegt, jedoch nicht mit Wurst oder Käse sondern mit „Schimmel!

Sie wollte immer ein gutes Leben für uns und dafür bin ich ihr heute noch sehr dankbar. Sie hat immer dafür gesorgt, dass es uns an nichts fehlte und die Zeiten und Umstände waren nicht immer leicht. Danke Mama an dieser Stelle ❤️!

Mit der Kuh vom Bauern musste sie spazieren gehen, damit das Tier die Grünstreifen abfressen konnte. Damals konnten die Landwirte Grünstreifen mieten und so hatten die Kühe Gras zu fressen. Oftmals erzählte sie mir, dass die Kuh einfach abgehauen ist und sie hinterher rennen musste und froh war, den Schwanz der Kuh zu ergreifen, damit sie stehen blieb 😂.

Ich meine heute, dass sie überwiegend wegen den Kühen kommen wollte 🐄 und nicht wegen mir 😂, vielleicht war es aber auch ein schönes gemeinsames Osterfest zu erleben. Dennoch machte ihr mir einen Kopf und putze wie eine WILDE, um es meiner Mutter recht zu machen. Meine Mutter heißt übrigens Christa, aber ihr Zweitname ist Erna. Immer wenn ich mal Pause machte oder mir die Motivation fehlte, rief Dirk oder Helmut :

„Erna kommt !“

Die Fliesen waren wieder zu erkennen und der Klodeckel lenkt ab vom Rest 🤣

Das ließ mich erst Recht zur Höchstform auflaufen. Während Helmut und Dirk anfingen den Stall zu streichen. Okay, ehrlich gesagt gab Helmut mehr die Anweisung und Dirk führte es aus!

Einige Hühner lebten auch auf dem Hof, besser gesagt quasi im Haus 🏡! Im Raum neben den Vorraum. Dieser besteht aus zwei kleinen Fenster und einer Tür 🚪, die jedoch verschlossen war. Die erste Aufgabe bestand darin, erst einmal die Tür zu öffnen, damit die Geruchsbelästigung, die durch den Hühnerkot entstanden ist, entfliehen konnte.

Die zweite Aufgabe war es, den Hühnerstall zu misten, der schon lange darauf gewartet hat gemistet zu werden, um dann mit neuen Stroh zu bestücken. Außerdem brauchten diese Tiere doch auch etwas Freizeitbeschäftigung! Also bastelte ich nebenbei Futterstangen.

Gegen die Hühner hatte ich dennoch zu diesem Zeitpunkt eher eine ablehnende Haltung. Die Krallen erinnerten mich an kleine Dinosaurier und das Geflatter des Federviehs ließ mich eher zurückschrecken.

Das Verhältnis zwischen mir und dem Federvieh, wird sich aber in Zukunft noch verbessern.

Nun legten die Hühner auch wieder mehr Eier. Helmut erzählte, dass damals die Tiere erst wieder zu Ostern Eier legten. Über den Winter gab es kaum oder keine Eier. Daher kochte man die Eier und so hatte man ein paar gekochte Eier für das Osterfest zusammen.

Tatsache ist, das Hühner 🐓 zum Eier legen, Tageslicht brauchen. Heute steuern wir das über ein elektrisches Licht.

Aber wir erinnern uns…es gibt soviel zu tun fürs kommende Osterfest. „Erna kommt!“ Auf jeden Fall, bieten wir den Gästen gekochte Eier 🥚 an 😀, soviel ist klar.

Herzliche Grüße ❤️

Bärbel vom Naturhof

Übrigens, vielen herzlichen Dank für die tollen Komplimente. Ich freue mich, wenn ich diese Geschichten mit euch teilen kann.

Unter folgenden Links könnt ihr mehr über uns und unsere Arbeit finden und uns unterstützen. Die Stallungen müssen umgebaut werden und es geht um den Erhalt eines fast 300 Jahre alten Bauernhof.

https://www.spendenseite.de/aktion/48015

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6. „Alles ist besser als vorher!“

Milka und Anton

März 2019

Die meisten Kühe standen kurz vor der Geburt. Alle Kühe standen seit November des Vorjahres trocken. Das heißt, sie geben keine Milch mehr. Regulär stellt man eine Kuh circa 6-8 Wochen vor der Geburt trocken. Das heißt übersetzt, dass man den Milchfluss zurück fährt und die Kuh keine Milch mehr gibt! Vergleichbar mit dem abstillen. In dieser Zeit ist die produzierte Energie, die sie sonst benötigt wird um Milch zu produzieren, dann ausschließlich für das Kalb da ist.

Seitdem melkte Helmut nur die eine einzige Kuh, und zwar die, die das Kalb „Milka“ geboren hat. Die erste Abrechnung für die Milch, hatte einen stolzen Betrag von 9€/Monat! Gut, Milka hatte schon 80 € an Milch vertrunken ! Ihre Entwicklung war prächtig.

Wenn man so bedenkt, dass der Reiniger für die Milchanlage bereits ein mehrfaches gekostet hat, mal abgesehen von den Energiekosten für die Kühlung. Da brauchten wir keinen Taschenrechner um auszurechnen, dass es definitiv ein Minus in die Kasse von Helmut brachte.

Aber es sollten ja 10 weitere Kälbchen kommen und so kam „Anton“. Milka fand Anton toll und auch wir waren verliebt in Anton. Das erste mal, dass wir live bei einer Kuhgeburt dabei sein durften und konnten. Wer das einmal erlebt hat, der wird es nie vergessen 😊! Eine Geburt ist doch immer wieder spannend und ein Erlebnis.

Ich weiss, dass Helmut grosse Freude dabei hatte uns alles zu erklären. Wir waren ja auch die Stadtkinder und hatten wenig Plan 😂! Er zeigte uns, worauf man zu achten hat.

Zum Beispiel, dass eine Hand über den Kopf passen muss, bevor man Geburtshilfe leistet. Er hatte ein selbst gebautes Monstergerät, bei dessen Anblick einen klar war, dass es mit Schmerzen verbunden ist. Dieses Teil ist der Geburtshelfer. Diesen setzt man für schwere Geburten ein. Gott sein Dank, haben wir diesen persönlich nur ein einziges Mal, bis heute wirklich einsetzen müssen.

Es war spannend und aufregend nun endlich mal mehr von den Tieren zu erfahren. Die Kühe standen grundsätzlich von Oktober bis April/Mai im Stall. Das nennt man Aufstallung und wird in den meisten Betrieben so gehandhabt. Heute gibt es überwiegend Laufbetriebe, da bleiben die Kühe eh das ganze Jahr über im Stall.

Kaum Licht im Stall, die Wände müssen neu gestrichen werden – 2019 – Das werden wir ändern!

Wir persönlich fanden die Aufstallung nicht schön. Aber letztendlich macht man die Aufstallung, damit die Grasnarbe beim feuchten Wetter nicht kaputt getreten wird. Schließlich haben die zarten Wesen ein Gewicht von 800-1.000 kg ! Also nicht gerade Elfen 🧚‍♀️!

Es war letztendlich nicht unsere Baustelle bzw. unser Betrieb. Und viel Ahnung hatten wir auch nicht, wahrscheinlich soviel wie ihr, liebe Leserinnen und Leser. Natürlich haben viele von euch Tiere, meist eigene Hunden und Katzen, einige Pferde. Wer aber hat einen Bauernhof oder ist gar Landwirt. Letztendlich waren wir nur da, um Helmut das Leben zu erleichtern und um wieder alles auf Vordermann zu bringen und um einen Blick auf alles zu werfen. Einige Verbesserungen können wir aber schon noch machen, da war ich mir mit Dirk einig drüber.

Meine Schwester Anja hörte davon, dass wir Unterstützung benötigen und ein Osterfeuer planen. So kam sie spontan, mit ihrem Lebenspartner Richie, direkt aus Norddeutschland zu Besuch!

Es war der 15. März 2019 – 12:03 Uhr

Zwei Kühe standen auf der Abkalbestation. Das ist der Raum, wo die Kühe ihre Babys bekommen. Einer von uns bemerkte, dass eine Kuh anfing zu entbinden. Helmut machte direkt den Erklär-Bär 🐻 und wenige Augenblicke später, war ein weiteres Bullenkalb da.

Anja hatte gehofft, dass eine Anja kommt! Aber die ließ noch lange auf sich warten. Übrigens wem es jetzt bei dem Namen „Anja“ klingelt 🛎! Genau, es ist wird die Anja sein, die derzeit 3 Kälber versorgt!

15.03.22 – 12:13 Uhr – Anja rubbelt klein Richie trocken

Da es kein Mädchen war, tauften wir das Bullenkalb einstimmig auf den Namen Richie. Bis dato hatten die Kühe keine Namen. Jede Kuh bekam nach und nach einen Namen von uns. Denn schließlich hat jedes Tier auch eine Persönlichkeit. Die Namen entstanden spontan und hatten oft etwas mit gewissen Ereignissen in unserem Leben zu tun.

Milka, Anton, Richie ❤️❤️❤️

Jetzt aber mal an die Arbeit. Die Idee war es, den unteren Raum zu einem Schlafzimmer für Helmut umzugestalten. Bis dato hat er sein Schlafzimmer in der 1. Etage. Was aber ist, wenn Helmut nicht mehr kann. Dann wäre es besser für ihn, wenn er unten ein Schlafzimmer hat! Helmut nickte die Idee ab!

Anja und Richie haben Gas gegeben und das gesamte Zimmer von Tapeten befreit.

An dieser Stelle möchten wir nochmal unseren Dank an Anja und Richie senden ❤️🙏!

Das war super, so konnte ich das Zimmer neu gestalten und das sollte noch vor Ostern fertig werden. Denn Anja wollte mit Richie wieder kommen und meine Mama mitbringen. Dazu sei erwähnt, dass meine Mutter mich über 15 Jahre nie besucht hat.

Nicht, weil sie mich nicht mag, sondern weil sie ihr Leben lang schon immer ein Stubenhocker ist.

Puh, wer meine Mutter kennt, der versteht warum ich plötzlich anfing zu schwitzen. Meine Mutter ist bis heute in meinem Leben der ordentlichste und sauberste Mensch! Wer so jemand zur Hauswirtschafterin hätte, der hätte ein Juwel 💎 im Haus! Gleichzeitig würde er es nicht wagen, irgendetwas in der Wohnung einfach liegen zu lassen. Denn etwas übertrieben, man wagte es nicht bei meiner Mutter irgendetwas liegen zu lassen oder etwas unordentlich zu hinterlassen 😂!

Wenn wir als Kinder auf der Couch gesessen haben, die immer eine Decke als Sitzunterlage aufwies, bat sie uns, auch während eines spannenden TV 📺 Beitrages, aufzustehen und rückte die Decke wieder gerade! Jetzt ahnt ihr, warum ich anfing zu schwitzen und sämtliche Kräfte aktivieren musste, um bis zum Osterfest ein halbwegs ordentliches Haus 🏡 geschaffen zu haben.

Noch immer haben wir uns nicht überwinden können, auf dem Bauernhof zu schlafen, denn ihr wisst es ja ……🐀😂! Zudem war es mir, obwohl ich nicht so extrem pingelig bin wie meine Mutter, nicht sauber genug. Im Badezimmer war immer noch ein übler Geruch nach Fäkalien. Das Wasser kam nur dürftig aus dem Hahn, da die Leitungen alle mit Eisen zugesessen haben. Wenn Wasser kam, war es nur braun. Es ist zwar ungefährlich, aber das Auge 👁….ihr wisst schon !

Unseren Besuch, nahmen wir abends mit zu unserem Mobilheim. Wer jetzt an Zelt und Campingwagen denkt, der denkt falsch. Dieses Heim haben Dirk und ich in den letzten Jahren von 2014 – 2018 Stück für Stück errichtet.

Mobilheim – 2019

Sicherlich fragt sie nun der ein oder andere, was das nun mit dem Naturhof zu tun hat.

Ende 2018 fuhren wir in den Skiurlaub. Da wir unsere Arbeiten an unseren drei Mobilheimen fast alle abgeschlossen hatten, fingen wir an neue Pläne für die Zukunft zu schmieden? Wir lebten nun dort, wo andere Urlaub machen! Wir könnten zum Beispiel mit unserem umgestalteten Campingbus im Frühjahr auf Reise gehen …..

Am Neujahrsmorgen 2019 erwachte ich und erinnerte mich an den Traum der vergangenen Nacht. Ich sprach zu Dirk, dass uns ein riesiges Haus erwartet und viel Arbeit! Aber wo sollte das nur herkommen….🤷‍♀️?

Wir hatten keine Vorstellung, schon gar nicht dachten wir an Helmut und den Hof. Kurz nach unserer Rückkehr begann die Geschichte 1. Über Nacht Bauer und Bäuerin. Für alle die sie noch nicht gelesen haben, unbedingt zurück gehen 😃👍!

Die Dinge, beziehungsweise die Fähigkeiten die wir bei dem bauen bzw. umbauen der Mobilheime erlernt und gewonnen haben, konnten wir nun auf dem Bauernhof gut gebrauchen und gewinnbringend einsetzen. Ohne diese Erfahrungen, hätten wir uns an viele Dinge und Aufgaben, die ich natürlich später noch erzählen werde, nicht heran getraut.

Inzwischen hatten wir ein Motto, welches heute noch für uns besteht:

„Alles ist besser als vorher!“

Unter folgenden Links könnt ihr mehr über uns und unsere Arbeit finden und uns unterstützen. Die Stallungen müssen umgebaut werden und es geht um den Erhalt eines fast 300 Jahre alten Bauernhof.

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Persönlich sei kurz angemerkt, dass Schreiben ✍️ wird von Blog zu Blog besser oder!?

Herzliche Grüße vom Naturhof

Bärbel

5. Frühjahrsputz 🧹 & die WG Regeln

Das Wetter wurde freundlicher. Die heftigen Stürme insbesondere Eberhard, haben sich verzogen. Im ganzen Haus zog es wie Hechtsuppe. So sagt man bei uns im Ruhrpott. Heute lebe ich am Niederrhein in Wesel, auf dem Naturhof. Jedoch stelle ich oft fest, dass einige nicht der Ruhrpott-Sprache mächtig sind 😂! Diese Redewendung ist, bis heute, nicht zu 100% geklärt.

Um den Zustand im Haus, jedoch für alle Leserinnen und Leser deutlich und anders zu beschreiben, man hatte das Gefühl, dass alle Fenster und Türen offen stehen und Eberhard wie eine Wildsau durch das Haus fegte.

Anfang März 2019 hatten wir schon sehr sonnige Tage! Auf dem Hof fanden wir ein paar alte Plastikstühle und einen Tisch. Sauber 🧽 gemacht, wirkte es schon viel freundlicher. Jetzt hatten wir einen Pausentisch auf dem Hof.

All die Jahre zuvor hat Helmut nie draußen gesessen. Ein neues Lebensgefühl für ihn. Draußen sitzen, Kaffee ☕️ trinken und miteinander reden. Ich glaube, dass wir zu diesem Zeitpunkt eingeführt hatten, dass es um 15 Uhr Kaffee und Kuchen gibt!

Pausentisch auf dem Hof – Helmut und Dirk

Der Tisch und die Stühle hielten nicht sehr lange, da uns langsam bewusst wurde wo wir leben. Schließlich heißt die Straße nicht umsonst „Zu den vier Winden“ 💨🍃! Kurz darauf, durften wir das Campingmobilar in Einzelteile, entsorgen.

Da das Wetter, wie bereits erwähnt, inzwischen zeitweise schon sonnig war, wollten wir den Vorraum, Waschküche und die mysteriöse Kammer ausräumen! In der Kammer war es dunkel und dort hat man unter anderem Dinge deponiert, die man nicht brauchte. Ein übler Geruch zog daher…ihr ahnt schon was uns mal wieder erwarteten sollte 😳!

Waschküche ausgeräumt und gereinigt
Vorraum gereinigt

Ich bin heute noch dankbar, dass Darius, der Sohn vom Dirk, uns zur Hilfe eilte und tatkräftig mit anpackte. Gut, sind wir ehrlich, wir haben ihm verschwiegen, was ihn erwarten könnte 😂! Schließlich wächst man doch mit seinen Aufgaben oder…?

Aufgeregt kam Darius plötzlich in die Küche zu mir gelaufen und meinte er hätte eine Ratte 🐀 gesehen. Unglaublich wie cool ich derweil war. „Dein Vater wird dir helfen!“, war meine trockene Antwort.

Dirk und sein Sohn gingen also todesmutig in die Kammer des Schreckens und fanden ganze Nester ! Auch Dirk kam, kurz darauf, ganz aufgeregt zur Küche.

Hand in Hand / Darius versus Helmut

„Bärbel, es ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich so ein Tier einfach getötet habe“! Sein Herz pochte und sein Gesicht hatte ein Ausdruck von Ekel! Am Ende des Tages, hatte er mit seinem Sohn einen ganzen Eimer voll 🪣 🐀🐀🐀🐀🐀 eingesammelt.

Ich habe nur einen kurzen Blick auf diesen Eimer 🪣 geworfen und mich geschüttelt. Auf ein Foto habe ich bewusst verzichtet, denn solche Bilder vergisst man nie 😳🐀!

Erwähnte ich bereits, in meinen vorherigen Bloggs, dass das Thema Ratten, sich noch eine ganze Weile hinzog! Alleine darüber könnte ich ganze Bücher füllen.

Rattengift wollten wir nicht auslegen, denn schließlich lebte auch die Katze „Kalle Kind“ und der schwarze Kater hier.

Kalle Kind – Katze – Tochter von Kalle, dem Nachbarskater

Auch Leila, unsere Hündin musste sich an all die Tiere insbesondere Katzen und Hühner im Haus gewöhnen. Kalle Kind hatte klare WG Regel. Leila akzeptierte sie ohne zu zögern. Schließlich musste ja eine die Hosen anhaben 😂! Und das war ganz klar „Kalle Kind“. Auch wir waren ihr hörig. Mit ihr war im Anfang nicht gut Kirschen 🍒 essen 😂🐈!

Kalle Kind war sehr auf Helmut gepolt, eigentlich hatte sie bis dato immer Milch, Milchreis und billiges Trockenfutter von Helmut bekommen. Das konnten wir aber nicht dulden. Schließlich arbeiten wir für Reico, somit auch für artgerechte Tiernahrung. Also bestellten wir auch für die Katzen das gute und gesunde Katzenfutter! Helmut wunderte sich, warum Kalle Kind und der schwarze Hofkater (er hatte keinen Namen) plötzlich nur noch das Reico Futter wollten und nicht mehr Helmut‘s heißgeliebten Milchreis.

Ich habe es ihm ganz einfach erklärt. „Helmut, du magst es doch auch lieber wenn ich Erbsensuppe oder gute Hausmannskost koche, statt täglich Milchreis zu löffeln oder? „ Das war für ihn einleuchtend, dennoch brauchte er täglich noch einige Löffel Milchreis und ein paar Schnäpse für seinen Kreislauf. Er ist eben ein echter Milchreis-Junkie 😃!

Helmut wollte uns beim sauber machen nicht im Weg stehen. So hat er es sich zur Aufgabe gemacht, mein persönlicher Gärtner zu werden. Er wollte den Hausgarten wieder auf Vordermann bringen, sodass ich dann auf einem großen Feld, meine leckeren Kartoffeln 🥔 , anbauen sollte. Der Garten war völlig verwildert.

Täglich stieg er auf den Bagger. Er hatte einen Plan im Kopf! Zeitweise mussten wir ihm helfen, weil er Bäume 🌳 verpflanzte.

Einige der Obstbäume im Garten hatte er selbst vor Jahren veredelt. Er erklärte mir, wie man das macht. Für den Fall, dass ich einen alten Obstbaum mal retten möchte. Einen Klarapfel zum Beispiel, den heute kaum noch jemand kennt. Diese Äpfel sind früh reif und eignen sich hervorragend für Apfelmus. Im Laden habe ich ihn ehrlich gesagt, noch nie zu kaufen gesehen.

Helmut will den Hausgarten wieder herrichten – 2019-

Jeder packte mit an. Es gab eine richtige Aufbruchstimmung und jeder war motiviert alles wieder schön zu machen.

Ich persönlich versuchte mich durch die Papierberge zu wühlen. Helmut hatte alles an Post in einen großen Karton gelegt!

Auch eine Art von Buchhaltung, dachte ich mir.

Aber er hatte all die Jahre zuvor auch nichts mit der Administration zu tun gehabt. Denn in den letzten 15 Jahren, hatte seine Tochter den Hof gepachtet und geführt. Er war schließlich seit fast 15 Jahren „Rentner“ und hat auch die ganze Entwicklung nicht mitbekommen. Auf der einen Seite ist inzwischen fast alles digital geworden und auf der anderen Seite gab es inzwischen unzählige neue Vorschriften. Das durften wir später noch am eigenen Leib erfahren.

Ich begriff allerdings, dass hier dringend gehandelt werden muss. Denn die Rechnungen häuften sich. Helmut hatte bereits ein Grundstück verkauft, um unter anderen auch die Schulden bei der Bank 🏦 abzulösen.

Für die Schulden der Vergangenheit, hatte er vier Hektar Land verkauft. Jetzt wartete er auf die Auszahlung. Damit konnte dann auch alles bezahlt werden. Dieses Land fehlt uns heute allerdings als Futterweide für die Tiere.

Helmut hatte auch den Gedanken den Hof zu verkaufen. Einen Vorvertrag hatte er bereits schon unterschrieben gehabt. Es war jedoch eine sehr dubiose Stiftung. Dazu erzähle ich in einem späteren Blog mehr. Auf jeden Fall hatte er diese Idee wieder verworfen und den Vertrag stornieren lassen.

Jetzt ging es erstmal darum, wieder alles vernünftig zu versichern und die Rechnungen zu bezahlen. Anträge für Grünflächenprämien zu stellen und vieles mehr. Das war auch eine Herausforderung an mich, die ich annahm. Das Telefon 📞 und unzählige Gespräche mit Menschen, brachten mich ans Ziel und mein Telefon brachte es täglich am Limit des Akkus 🔋.

Neben dem Papierkram von Helmut, machte ich meinen Job und übernahm noch den Part von Dirk. Nebenbei, klar da habe ich geputzt. Es gab soviel zum putzen. Alleine die Speisekammer hat meine Aufmerksamkeit doch einige Tage in Anspruch genommen. Was sich da alles fand – unglaublich! Helmut meinte, die wurde wohl noch nie ausgeräumt. Diese Aussage, konnte ich, ohne daran zu zweifeln, wahrlich glauben.

Gemeinsam schmiedeten wir Pläne für die Zukunft. Da Ostern 🐣 vor der Tür stand, erzählte Helmut uns von früher und die unsagbar großen Osterfeuer, die er hier am Hof immer veranstaltet hatte. Von den vielen Leuten, die gerne und extra nur für das Feuer 🔥 gekommen sind. Bis zu dem Tag, als man es ihm untersagte!

Wahrscheinlich aufgrund der Größe und der fehlenden Genehmigung.

Den Gedanke von einem schönen Osterfeuer griffen wir auf. Ein Ziel 🍀😃 um alles schön herzurichten!

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Herzliche Grüße vom Naturhof Wesel

Bärbel