11. Küssen 💋 will gelernt sein !

Richie hilft

Erna kommt…oh je wie das draußen noch ausschaut 🥴! Gut, dass Anja und Richie noch einmal aus Norddeutschland zum helfen kamen. Da gab es noch soviel zu tun! Meine Mutter wird die Hände über den Kopf zusammen schlagen! Jetzt hieß es, dass alles für Ostern 2019 wieder auf Vordermann gebracht werden musste.

Wer Erna ist? Das erfahrt ihr hier: https://lebenmitbauernhof.family.blog/2022/10/24/erna-kommt/

Das Blockhaus auf dem Naturhof war bewohnt von Spinnen! Die hatten es sich dort gemütlich gemacht und häuslich eingerichtet! Außerdem waren die Spuren , der längst vergangenen Partys noch aufzufinden.

2016- Bärbel das erste Mal mit einem Kälbchen im Arm ❤️

Marlies hatte damals, ich glaube es war 2016 , ihren Geburtstag im Blockhaus gefeiert! Helmut sagte damals, dass er gerade ein Kalb hat, welches nur hinter ihm herlaufen will und immer ausbricht sobald es ihn sieht! Das war wieder einer dieser Momente, die ich nicht vergessen werde. Es war das erste Mal, dass ich einem Kälbchen so nah sein konnte. Es war wirklich sehr zutraulich und auch das Kälbchen hat es sichtlich genossen, gestreichelt und gekuschelt zu werden.

Ich habe zuvor und auch als Kind oft Ferien auf dem Bauernhof verbracht. Mehr als einmal habe ich Kälbchen gestreichelt oder junge Ferkel schreiend auf dem Arm gehabt!

Das sind immer wieder tolle Erinnerungen. Umso mehr freue ich mich darüber, dass wir diese Momente heute anderen Menschen schenken dürfen. Egal ob jung oder alt, mit oder ohne Handicap! Jeder ist begeistert, mit einer Kuh mal auf DU und DU zu sein.

Inzwischen werden Kuhkuschel-Seminare angeboten. Unsere Kuhpaten/-innen dürfen das regelmäßig bei uns erleben. Sollten wir vielleicht auch regelmäßig solche Kuhkuschel Seminare anbieten? Vielleicht machen wir es demnächst!

Die meisten Menschen die uns am Naturhof Wesel besuchen, haben bisher Kühe auf der Weide gesehen, aber selten oder noch nie Kühe gestreichelt oder selten so intensiv gekuschelt! Wie fühlt sich denn eine Kuh so an oder gar die Zunge!

Dirk erklärt dieses und vieles mehr immer so schön und besonders lachen muss ich immer, wenn er den jungen Herren oder Damen zeigt, wo und wie sie das Küssen erlernen können. Denn gutes Küssen, so sagt er ist wichtig für eine gute Partnerschaft !

So müssen sich die jungen Kussanwärter und Anwärterinnen mit dem Gesicht, vor die Kuh stellen, die Arme auf dem Rücken verschränken und sich leicht vorbeugen. Unsere Kühe kennen das bereits und zack gibt es einen feuchten Zungenkuss quer durch das Gesicht 🤣! Ich kann euch sagen, es ist jedesmal ein lustiges gequietschte. Immer wenn ich das höre, muss ich herzhaft lachen und ich weiss, dass mal wieder einer das Küssen 💋💋 erlernt hat!

Mit Hilfe meiner Schwester Anja, schafften wir es, auch die Hüte wieder zu einem gemütlichen Raum zu verwandeln. Während die Männer draußen den Dschungel beseitigten.

Dann entdeckten wir etwas an der Wand! Kaum einer bemerkt dieses seltene Teil, wenn er den Raum besucht. Meist muss ich die Menschen darauf hinweisen. Sie gucken uns immer fragend an und haben keine Erklärung, was das sein könnte!

Ein Löffelbrett aus dem Jahre 1816 der Familie Schweres!

Sicherlich habt ihr es schon mal gehört!

„Er hat den Löffel abgegeben“ !

Das ist eher eine flapsige Redewendung für jemand, der gestorben ist. Im Mittelalter war es normal, mit den Händen zu essen! Ein Messer, gab es nur um Fleisch klein zu schneiden. Eine Gabel galt als Teufelswerkzeug! Daher gab es nur Löffel für Suppe oder Brei! Falls ihr mal ein Ritteressen auf einer Burg mitgemacht habt, dann wisst ihr, wie es da so zuging. Falls nicht, solltet ihr das unbedingt mal machen!

Auf der Internet Seite Ruhr-Guide findet ihr solche Ambiente und Anbieter! Vielleicht ein schöner Tip für euch und euren nächsten Familien- Ausflug!

https://www.ruhr-guide.de/ausgehen/restaurants/ritteressen-im-ruhrgebiet/1177,0,0.html

Jedes Familienmitglied hatte seinen eigenen Löffel, ein Leben lang. Nach der Mahlzeit wurde er wieder gereinigt an das Löffelbrett gesteckt. Verstarb nun diese Person, wurde der Löffel 🥄 an eine jüngere Person weitergereicht!

Familienbesitz – Fam. Schweres anno 1816

Daher hat sich die Redewendung „er hat seinen Löffel abgegeben“ bis heute durchgesetzt. Was heute angesagt und bekannt ist, ist die Löffelliste! Alles was man bis zu seinem eigenen Tod noch gemacht oder erlebt haben möchte.

Helmut erinnerte uns mit seiner Frisur eher an einen Wikinger! Er liebte seine langen Haare. Wir jedoch nicht, denn damit sah er immer so alt aus und auch etwas ungepflegt! Also habe ich ihn überredet, dass wir ihm mal einen schönen Haarschnitt schenken!

Helmut bekommt die Haare kurz – 2019

Begeisterung sieht bei Helmut wirklich anders aus. Aber wir alle fanden es toll! Eine echte Typveränderung. Während er etwas knurrig war. Aber was soll es, Haare wachsen auch wieder.

Als ich Helmut mal fragte, was denn sein letzter Wunsch ist, wenn er noch einmal alles machen könnte wie früher, erzählte er mir: „Einmal in meinem Leben würde ich gerne noch einmal einen Graben für die Telecom, mit dem Bagger graben!“ Ernsthaft….andere Menschen würden in die Karibik fliegen oder eine Weltreise machen wollen!

Wartet nicht auf den Tag XY, setzt eure Wünsche und Ziele so schnell wie möglich um! Verschiebe nichts auf morgen, was du heute erleben kannst. So versuchen wir jeden Tag zu meistern!

Jetzt war alles soweit gerichtet, nicht perfekt aber Ostern 🐣 war da! Und dieses Osterfest 2019 war die Belohnung für all unser Tun!

Herzliche Grüße ❤️

Bärbel vom Naturhof Wesel 🍀

Ps: täglich habe ich nun 50 aktive Leser/-innen, sogar aus Irland, Schweiz, Türkei und USA! Das freut mich sehr! Ich gehe davon aus, dass euch meine Geschichten gefallen. Daher meine bitte an DICH – bitte teile ❤️die Geschichte ! Geteilte Freude 😃, ist doppelte Freude!

Wir brauchen Menschen, die uns mit unterstützen und Freude daran haben, mit uns den alten Bauernhof umzugestalten bzw. zu erhalten!

https://www.spendenseite.de/aktion/48015

10. Nicht schiessen 💣!!!

Milka, Anton, Richie, Bubi

Bis Ostern 🐣 2019 ist es nicht mehr lange. Vier Kälbchen waren bereits da, die letzten drei waren Bullenkälber. Wir brauchen aber Mädchen! Was nicht ist, kann noch werden.

Eine Dienstreise stand an und wir wollten unseren Altbauer Helmut nicht ganz ohne Aufsicht lassen. Wer würde denn 1 x am Tag nach ihm schauen. Unsere Angie und ihre Mama Ulli boten sich an! Freiwillig 👍❤️!

Die Hintergründe über Angie erfahrt ihr hier:

8. Behinderungen, behindern Menschen ohne Behinderung!

Damals wussten wir nicht, wann überhaupt ein Kälbchen kam. Es gab keine Listen oder Aufzeichnungen darüber, welche Kuh 🐄 vom Bullen gedeckt war. Also irgendwie war das beim Altbauer wie ein Roulette Spiel! Manchmal ahnte er, dass eine Kuh bald abkalbte. Heute kennen wir natürlich die Anzeichen dafür. Aber damals 🥴….Städter eben 😂🤷‍♀️!

Aber letztendlich war das auch noch nicht unsere Aufgabe, wir hatten ja nur die Aufsicht übernommen, sodass alle Tiere gut versorgt werden. Zumindest war uns klar, auch während unserer Dienstreise ins wunderschöne Allgäu, könnte ein Kälbchen kommen und wir wollten sicher gehen, dass es gut versorgt wird und auch, dass Helmut eine warme Mahlzeit bekommt.

Mit der Gewissheit, dass hier am Hof alles gut versorgt ist, starten Dirk und ich auf ins Allgäu. Ziel ist die Zentrale von Reico in Oberostendorf. Dort haben wir schon viele wundervolle Stunden, tolle Begegnungen und unvergessliche Momente erlebt. Am Ort trafen wir unseren Konrad Reiber. Auch er wird für uns und die Landwirtschaft noch eine große Hilfe sein. Denn ursprünglich kommt er aus der Landwirtschaft. Er hatte für uns viele Tips bereit, vor allem im Gesundheitsbereich für die Tiere. Wenn der Tierarzt aufgegeben hatte, fragten wir ihn um Rat. Aber dazu kommen wir später Verlauf zurück.

Das ❤️ von Reico mit Sitz im Allgäu

Am Abend nach dem Meeting in der Reico Zentrale, führte uns Konrad an einen wundervollen Ort. Eine alte Klosterbrauerei. Hier wird Bier seit 800 Jahren traditionell hergestellt. Wir sind keine Biertrinker, aber dieses Urbräu begeisterte uns schon sehr. Konrad ist eben immer für eine Überraschung gut! Er zeigt uns oft Orte und Begebenheiten, die selten oder einzigartig sind. Wenn ihr also mal dort in der Nähe seid, dann empfehlen wir euch einen Besuch in diese Klosterbrauerei.

https://www.irsee.com/

Was nicht fehlen durfte, war der Besuch in dieses wundervolle Kloster, der Brauerei. Da die Kulisse dazu einlud, hat uns Carina noch ein Lied geschenkt! Carina ist auch eine Reico Kollegin und sie hat damals auf unserer Trauung 💒 gesungen. Sie singt, weil es ihre Leidenschaft ist! Wir lieben es, wie sie singt und jedes Mal berührt es mein Herz! Carina hat vier Kinder, die alle ihren Bauer Dirk, über alles lieben. Ist ja auch klar, Dirk ist eben ein lustiger Mensch und macht immer Blödsinn! Diese vier Kinder sind aber auch herzig! Carina und die Kinder werden in späteren Geschichten noch öfter auftauchen. Wie gut, dass ich diesen wunderschönen Moment festgehalten habe und ich ihn heute mit euch teilen darf.

Danke Carina, mit deinem Gesang 🎤 schenkst du Menschen wunderschöne Momente ❤️!

Ich hoffe, ihr könnt das Video abspielen. Für mich ist das bloggen auch noch neu und ich lerne täglich neue Features kennen. Wenn wir jeden Tag eine neue Kleinigkeit dazu lernen, sind wir am Lebensende sehr reich 😀👍

Carina singt im Kloster
Eine schönes Kloster

Da denkt man im Allgäu an nichts Böses, als uns der Anruf 📞 von Angie erreichte! Planmäßig kam sie nachmittags zu Helmut und wollte die Tiere und Kälber mit versorgen.

Bei reinholen der Kühe 🐄, sah sie in weiter Ferne etwas auf der Weide liegen! „Helmut, da liegt wohl ein Kalb auf der Weide“ rief sie aufgeregt. Helmut schaute und meinte es wäre wohl nur eine Gans 🦆. Wie gut, dass Angie hartnäckig blieb! Mit dem Radlader fuhren sie auf die Weide! Und in der Tat, hatte „Blacky“ die Kuh ihr Kalb auf der Weide geboren und unter den Zaun weggedrückt! Artig ist sie einfach dann in den Stall gegangen und hat das Kälbchen draußen liegen gelassen. Da lag nun das nasse Kalb! Schnell legten sie es in die Radlader Schaufel und brachten das Kälbchen zu den anderen Kälbern!

Es gibt eben auch Kühe, die wollen ihr Kalb nicht. Glauben die meisten nicht, gibt es aber. Nun ging es darum, herauszufinden ob es ein Junge oder ein Mädel ist! Helmut erklärte den beiden Mädels, dass er davon keine Ahnung hat und sie doch bitte mal schauen, ob sie das irgendwie erkennen könnten. Dieser Schelm 🤣🤣🤣🤣! Was hat er sich einen Spaß daraus gemacht. Also inspizierten die beiden Stadtmädchen, erstmal beim den großen Bullen! Wie schaut der Bulle denn da untenrum aus 😂!

Was hat Helmut sich einen Spass daraus gemacht. Irgendwann stand es fest, es ist wieder ein Bullenkalb! Okay…vielleicht bekommen wir bei der nächsten Kalbung endlich ein Mädchen!

Angie kümmert sich liebevoll um Bubi ❤️

Helmut hatte große Freude, dass zwei hübsche Mädels ihn so liebevoll umsorgten. Als der Nachbar kam, war er sehr verdutzt und fragte, wo die beiden Frauen denn herkommen!

Unser Altbauer ist da ja immer sehr schlagfertig und sagte: „ich mache jetzt mit bei „Bauer sucht Frau“ und konnte mich nicht entscheiden, also habe ich beide Mädels zur Hofwoche eingeladen!“

Helmut im Frühjahr 2019

Der Nachbar schüttelte den Kopf und verließ den Hof, ohne die Wahrheit zu erfahren. Noch heute würde ich gerne erfahren, was er in diesem Moment gedacht hat 😂! Helmut meinte, das Gesicht hättet ihr sehen müssen 😂😂😂!

Uli und Bubi

Wir beeilten uns mit der Heimreise. Es war spät abends, als wir zurück waren. Es ließ uns jedoch keine Ruhe, ob wirklich alles okay bei Helmut am Hof war. Also beschlossen wir, noch vorbei zu fahren! Es war bestimmt 22:30 Uhr! Alles war dunkel ….ich stieg aus dem Wagen aus. Dann ging in der 1. Etage das Fenster auf und ich sah im Gewehrlauf und gleichzeitig ein „wer ist daaaa“ laut rufen!

Schnell riefen wir zurück : „Helmut nicht schiessen, wir sind es ….Dirk und Bärbel“! Erleichtert kam der Alte zur Tür 🚪 und freute sich über unseren späten Besuch und das wir wieder heil zurück gekehrt waren!

Er machte sich ja immer Sorgen, wenn einer unterwegs war. Am liebsten hat er es, wenn alle zusammen sind. In seinem Leben, hat er eben schon viele Menschen zum Grab getragen.

Herzliche Grüße

Bärbel vom Naturhof Wesel 🍀

Ps: Die Geschichten aus unserem Leben, schreibe ich gerne für Euch auf. Insbesondere aber gelten sie als Dank, an alle Paten, Unterstützer und Spender. Das sind die Menschen, die einen 300 Jahren alten Bauernhof mit uns gemeinsam erhalten möchten. Daher spreche ich an dieser Stelle unseren besonderen Dank ❤️ an diese Menschen aus!

https://www.spendenseite.de/aktion/48015

7. „Erna kommt !“

Man kann sich nicht ausmalen, was man alles in vier Wochen auf die Beine stellen kann. Die wichtigste Voraussetzung dafür ist jedoch der Wille und die richtige Motivation.

Bis Ostern 🐣 2019 waren es nur noch wenige Wochen. Es gab soviel zu tun! Mir wurde schon ganz schwindelig, bei dem Gedanken was alles zu erledigen ist. Die einzige Chance, die ich sah, um dem Chaos Herr zu werden, war eine Liste zu schreiben!

Ich holte den großen Flipchart heraus! So haben wir es damals auch gemacht, bei unserer Hochzeitsplanung mit Erika, Wilfried und Olli im Jahr 2017. Alles was bis zum TAG X erledigt werden musste, haben wir auf dem Flipchart notiert! Step zwei war es, denjenigen dahinter zu schreiben, wer es ausführt oder verantwortlich ist! Das ist besonders wichtig !

Die erste Belohnung bestand darin, mit einem dicken Edding, die Aufgabe durchzustreichen. Voraussetzung dafür war jedoch, man hatte sie auch erledigt 🤣! Die zweite Belohnung war das gute Gefühl, wieder etwas erfolgreich erledigt zu haben.

Das allerwichtigste war es, auch während der vielen Arbeit, die positive Stimmung aufrecht zu erhalten. Wie heißt es so schön:

Nur glückliche Kühe 🐄 geben Milch“

-unbekannt-

Helmut machte auch jeden Spaß mit. Sowas hatte er sich immer gewünscht! Hand in Hand, ohne Streit. Alles wurde besprochen und er ließ uns gewähren. Er war eher dankbar, dass nach allem was bisher gewesen ist, ein Sonnenstrahl auf seinen Hof fiel.

Er erzählte uns, dass der Hof seit gut 300 Jahren im Familienbesitz „Schweres“ ist und das der jeweils erstgeborene Sohn den Hof übernommen hat. Die erstgeborenen Söhne hießen immer „Friedhelm!

Wir wir nun alle wissen, heißt unser Altbauer aber „Helmut“! Was ist mit seinem Bruder passiert?

Fortsetzung der Offenbarung

„Ich hatte nie vor gehabt Landwirt zu werden. Mein Bruder Friedhelm sollte den Hof erben und führen. Mein größter Wunsch war es, zur See zu fahren 🚢🛳🌊! Aber das Leben hatte andere Pläne für mich“

„Ich war damals jung, ca. 16 Jahre , da fing ich im April bei Flender an. Die Firma hat Eisen geschmolzen. Mein Bruder Friedhelm befand sich in der Ausbildung. Als mein Vater im Oktober erkrankte, musste ich dort aufhören und zum Hof kommen. Die Arbeiten mussten ja hier verrichtet werden. Geplant war es den Hof weiterzuführen, bis mein Bruder seine Ausbildung beendet hat.“

Helmut hatte nie wirklich eine Ausbildung, im klassischen Sinn, gemacht. Früher war eben alles anders, erzählte er uns. Er bekam ein Angebot, in einer Eisengiesserei. Dort sollte er 🏗 Kranführer werden.

Man gab ihm eine Woche Zeit, sich mit dem Kran 🏗 vertraut zu machen! Zuvor hat er noch nie eine Baumaschine bedient. Dann musste er einen, der verantwortungsvollsten Jobs ausführen. Er musste geschmolzenes Eisen entleeren. Neben diesen großen Kokillen, so nennt man diese Behälter, standen Menschen. Ein Fehler und sie wären tot gewesen, so berichtete er sehr ernsthaft. Man musste zu 1000% bei der Arbeit sein und immer fokussiert die Aufgaben erfüllen. Da durfte kein Fehler passieren! Ein Fehler hätte schwere Folgen gehabt. Er kniff die Augen zusammen und man sah noch einmal, wie er konzentriert den Kran bediente. Es sorgte bei uns für einen Gänseschauer.

Ich habe ein Foto im Netz gefunden, welches ich hier gerne für euch verlinken möchte. So hat man eine ungefähre Vorstellung, von dem was Helmut erzählt.

https://www.fotocommunity.de/photo/kokillenguss-hoeschstahl/12111206

„Ich hatte soviel Angst, aber keine Zeit mir in die Hose zu machen.! Keiner fragte danach, ob ich das wirklich kann oder will, alle haben sich einfach auf mich verlassen.“

Deutschland 🇩🇪 war im Wiederaufbau und jede Hand wurde gebraucht. Da hat keiner nach Papieren gefragt, sondern nur ob du anpacken kannst. Noch heute erkenne ich am Gangbild eines Menschen, ob er etwas erreichen kann bzw. arbeiten kann.“ so erzählte er stolz weiter.

Kaffee und Kuchenzeit gehörte inzwischen zu einer sehr wichtigen Einrichtung. Manchmal diente die Auszeit für eine Therapiestunde, Geschichtsstunde oder um neue Ideen zu schmieden und sich auszutauschen.

Das wichtigste was man braucht, wenn regelmäßig Kuchen 🍰 auf den Tisch stehen soll, war ein funktionierender Herd mit Backofen. Der kam dann auch. Einfach aber zweckmäßig.

Jetzt können wir backen und kochen 🧑‍🍳

Helmut hatte meine Mutter kurz auf unserer Hochzeit persönlich kennengelernt, aber so genau konnte er sich nicht mehr an sie erinnern. Es war an dem Tag so ein Trubel und so viele Menschen dort, dass er sich nicht alles gemerkt hatte. Zudem hatte er damals auch noch Marlies an seiner Seite und war nicht auf Brautschau 🤣!

Er fragte nun ständig, wie meine Mutter so ist und warum sie mich nie besucht hat. Ich erzählte ihm von ihr und ihren Talenten. Die Vorfreude auf den anstehenden Besuch stand ihm förmlich im Gesicht geschrieben! Auch Anja und Richie fand er toll.

Ich erzählte ihm, dass meine Mutter damals eine Kuh von einem Bauer anvertraut bekam, mit der sie immer spazieren gehen musste, damit sie und ihre Schwester eine Scheibe Brot 🍞 vom Bauer bekamen. Oft war diese Brotscheibe sogar schon belegt, jedoch nicht mit Wurst oder Käse sondern mit „Schimmel!

Sie wollte immer ein gutes Leben für uns und dafür bin ich ihr heute noch sehr dankbar. Sie hat immer dafür gesorgt, dass es uns an nichts fehlte und die Zeiten und Umstände waren nicht immer leicht. Danke Mama an dieser Stelle ❤️!

Mit der Kuh vom Bauern musste sie spazieren gehen, damit das Tier die Grünstreifen abfressen konnte. Damals konnten die Landwirte Grünstreifen mieten und so hatten die Kühe Gras zu fressen. Oftmals erzählte sie mir, dass die Kuh einfach abgehauen ist und sie hinterher rennen musste und froh war, den Schwanz der Kuh zu ergreifen, damit sie stehen blieb 😂.

Ich meine heute, dass sie überwiegend wegen den Kühen kommen wollte 🐄 und nicht wegen mir 😂, vielleicht war es aber auch ein schönes gemeinsames Osterfest zu erleben. Dennoch machte ihr mir einen Kopf und putze wie eine WILDE, um es meiner Mutter recht zu machen. Meine Mutter heißt übrigens Christa, aber ihr Zweitname ist Erna. Immer wenn ich mal Pause machte oder mir die Motivation fehlte, rief Dirk oder Helmut :

„Erna kommt !“

Die Fliesen waren wieder zu erkennen und der Klodeckel lenkt ab vom Rest 🤣

Das ließ mich erst Recht zur Höchstform auflaufen. Während Helmut und Dirk anfingen den Stall zu streichen. Okay, ehrlich gesagt gab Helmut mehr die Anweisung und Dirk führte es aus!

Einige Hühner lebten auch auf dem Hof, besser gesagt quasi im Haus 🏡! Im Raum neben den Vorraum. Dieser besteht aus zwei kleinen Fenster und einer Tür 🚪, die jedoch verschlossen war. Die erste Aufgabe bestand darin, erst einmal die Tür zu öffnen, damit die Geruchsbelästigung, die durch den Hühnerkot entstanden ist, entfliehen konnte.

Die zweite Aufgabe war es, den Hühnerstall zu misten, der schon lange darauf gewartet hat gemistet zu werden, um dann mit neuen Stroh zu bestücken. Außerdem brauchten diese Tiere doch auch etwas Freizeitbeschäftigung! Also bastelte ich nebenbei Futterstangen.

Gegen die Hühner hatte ich dennoch zu diesem Zeitpunkt eher eine ablehnende Haltung. Die Krallen erinnerten mich an kleine Dinosaurier und das Geflatter des Federviehs ließ mich eher zurückschrecken.

Das Verhältnis zwischen mir und dem Federvieh, wird sich aber in Zukunft noch verbessern.

Nun legten die Hühner auch wieder mehr Eier. Helmut erzählte, dass damals die Tiere erst wieder zu Ostern Eier legten. Über den Winter gab es kaum oder keine Eier. Daher kochte man die Eier und so hatte man ein paar gekochte Eier für das Osterfest zusammen.

Tatsache ist, das Hühner 🐓 zum Eier legen, Tageslicht brauchen. Heute steuern wir das über ein elektrisches Licht.

Aber wir erinnern uns…es gibt soviel zu tun fürs kommende Osterfest. „Erna kommt!“ Auf jeden Fall, bieten wir den Gästen gekochte Eier 🥚 an 😀, soviel ist klar.

Herzliche Grüße ❤️

Bärbel vom Naturhof

Übrigens, vielen herzlichen Dank für die tollen Komplimente. Ich freue mich, wenn ich diese Geschichten mit euch teilen kann.

Unter folgenden Links könnt ihr mehr über uns und unsere Arbeit finden und uns unterstützen. Die Stallungen müssen umgebaut werden und es geht um den Erhalt eines fast 300 Jahre alten Bauernhof.

https://www.spendenseite.de/aktion/48015

https://naturhof-wesel.business.site/

2. Ärmel hoch krempeln und machen

Helmuts Vorstellung war es, die nächsten 15 Jahre weiterhin zu melken. Somit könnten wir, Dirk und Bärbel, das ursprüngliche Leben weiterleben und unseren Job nachgehen!

Vorstellung und Realität klaffen aber oft auseinander. Nachdem wir einen Einblick ins Haus und in die einzelnen Räumen bekommen hatten, traf uns ein Blitzschlag!

Die Realität war brutal, gepaart von Ratten die sich nicht nur auf dem Hof befanden! Diese Tiere waren sogar fast handzahm und kamen pünktlich gegen 18 Uhr zur Fütterung in den Stall! Man hätte sie sogar fast streicheln können. So viele Ratten hatten wir noch nie auf einen Haufen gesehen.

Man sagt ja, wenn man eine Ratte sieht, sind 10 weitere Ratten vorhanden! Grob überschlagen haben wir 100 Ratten gesehen 🫣! Ein Rattenpaar 🐀 schafft es auf 600 Kinder pro Jahr 😬! Auch eine Strategie zur Arterhaltung.

Ich selber stand in der Küche und fing an zu weinen. Wo sollte man nur anfangen? Überall Müll und Unrat und das nicht von den letzten zwei Jahren eher von 20 Jahren.

Altbauer Helmut hatte sich überwiegend von Cola und Milchreis ernährt. Ein echter Überlebenskampf von einem Menschen, dem sein einziger Wunsch es war und ist, dass dieser Hof am Leben erhalten bleibt.

Sein Schlafzimmer entlockte mir weitere Tränen. Wie armselig. Das bleibt einem Menschen vom Leben, der fast 80 Jahre hart und viel gearbeitet hat.

Wir alle wissen, dass Tränen einen im Leben nicht voran bringen. Also krempelten wir unsere Ärmel hoch und fingen an! In der Küche, mit der ersten Schublade. Für das Schlafzimmer des Altbauers kauften wir erstmal frische Bettwäsche und kuschelige Decken!

Gemeinsam mit Helmut fingen wir an, alles zu entsorgen. Was kaputt und nicht verwertbar war, kam auf den Entsorgungshof. Er hatte Anziehsachen, die zum Teil einfach völlig abgenutzt und durchlöchert waren. Ich habe sie nicht einfach entsorgt, sondern mit ihm zusammen, haben wir jedes Teil in die Hand genommen und entschieden 👍 oder 👎!

Als er die ersten frischen Hemden und Pullover hatte, hat er sich auch freiwillig von den alten Sachen trennen können!

Das Haus war kalt, die Heizung war aus. Der einzige warme Raum war die Küche! Dort stand ein Ölradiator, der den Raum etwas Wärme schenkte! Da kein Geld 💰 vorhanden war, hatte er somit kein Heizöl. Also kauften wir erstmal Heizöl, denn frieren ist keine Option. So wurde es schon etwas behaglicher im Haus.

Dirk schuftete draußen und drinnen. Er trug den Müll zusammen und fuhr mit Helmut regelmäßig zum Entsorgungshof.

Wir fuhren nun täglich von unseren Mobilheimplatz, wo wir zuvor gewohnt haben, morgens zum Hof und am späten Abend wieder zurück. An den meisten Tagen haben wir mehr als 12 Stunden am Hof mit arbeiten verbracht! Abends waren wir oft so müde, dass wir uns nur schnell geduscht haben und dann direkt müde ins Bett gefallen sind.

Auf dem Hof war, kurz bevor wir dauerhaft da gewesen sind, ein Kälbchen geboren, welches noch keine Ohrmarke hatte. Sie war so niedlich. Von Ohrmarken hatten wir auch keine Ahnung, wussten jedoch, dass es wichtig ist, dass die Tiere gekennzeichnet werden. Also schauten wir uns YouTube Videos an, fragten den Tierarzt nach der Verwendung der Ohrmarkenzange, fanden die richtigen Nummern.

Das kleine Kälbchen, welches wir „Milka“ tauften, war das einzige Kälbchen zu diesem Zeitpunkt auf dem Hof.

Helmut erklärte uns, wie wir nun das Kälbchen fesseln müssen 🙈, damit wir ihr die Ohrmarken setzen können.

Wenn wir heute darüber nachdenken schütteln wir uns vor lachen! Die arme Milka. An dem Tag wollte sie wirklich nichts mehr von uns wissen. Nach einem Tag war sie uns wieder wohl gesonnen und wir fingen an mit ihr spazieren zu gehen. Es gefiel ihr gut!

Noch heute kommt Milka aus der Herde, wenn wir sie rufen. Inzwischen hat Milka auch schon ein Baby bekommen. „Hui Bu“ heißt er und Milkas Patin Kerstin war sogar in der Nacht bei uns, damit sie die Geburt miterleben konnte.

Als Milka noch jünger war und mit den neuen Rinder als Fresser (Jährling) auf der Weide stand, bekamen wir Sonntags morgen beim Frühstück einen Anruf.

Die TIERE SIND AUSGEBROCHEN!

Da wurden wir aber schnell! Schnappten uns ein paar Brote vom Tisch und fuhren los. Milka und ihre Freunde standen an der Straße!

Ich rief Milka auf die Weide, aber da lag der kaputte Stacheldraht auf der Erde. Der war so gefährlich, dass sie auch nicht darüber steigen wollte. Sie war die Leitkuh der Herde. Dirk schnitt den Draht durch und Milka kam brav wieder zurück auf die Weide.

Der Besitzer der Weide war erstaunt! Alles hat er in all den vielen Jahren erlebt, aber dass ausgebrochene Kühe so brav hinter her kommen, das war für ihn sensationell. Er hatte schon eine wilde Verfolgungsjagd im Kopf , mit Abschuss der Tiere. Auch das gab es zu Helmut Zeiten.

Vertrauensarbeit zahlt sich jedoch aus, auch wenn uns zuvor alle belächelt haben, als wir damals mit der kleinen Milka spazieren gegangen sind.

1. Über Nacht Bauer und Bäuerin – der Beginn !

Wer hat nicht einmal den Traum gehegt, einen Bauernhof zu haben. Die Idylle die man im Kopf hat. Unglaublich welche Bilder so romantisch im Kopf sind!

Einige von Euch haben bestimmt schon mal Urlaub auf einen Bauernhof erlebt. Wenn man seinen Urlaub dort verbringt, so ist das Motto ja , alles kann nichts muss!

Morgens ausschlafen, anziehen, Milch abholen, die man zuvor beim Landwirt bestellt hat. Anschließend mit der Familie gemütlich frühstücken! Herrlich, so besonnen in den Tag zu starten! Mit knackfrischen Brötchen und ideal dazu ein toller Sommertag.

Aber wie sieht es bei dem Bauern aus! Während der Urlauber / -in noch gemütlich im Bett gelegen hat und sehr wahrscheinlich nur wach geworden ist, weil eine Fliege ihn penetrant ins Gesicht flog, war der Bauer und die Bäuerin sicherlich schon im Stall.

Daher möchten wir anfangen aus unserem Leben zu berichten und natürlich möchten wir euch erzählen, wer wir sind!

Was bewegt uns, jeden Morgen aufzustehen und den Bauernhof aufrecht zu erhalten. Wer besucht uns und natürlich möchten wir euch auch die schönen Geschichten der Tiere erzählen.

Ich, Bärbel die Schreiberin dieser Artikel habe keinen Plan von Bloggen, aber warum nicht einfach mal etwas neues versuchen und ausprobieren.

Wieviele Leser wird es in Zukunft geben….ich weiß es nicht, aber zumindest können wir hier unsere alltäglichen Geschichten rund um den Bauernhof und von uns, also den Bauersleut Dirk und Bärbel und dem Altbauer Helmut erhalten.

Aber nun zum Jahr 2019…es war Januar und es war kalt und glatt draußen. Altbauer Helmut hatte die Aufforderung bekommen zum Veterinäramt zu kommen.

Alleine wollte er dort nicht hin. Denn nachdem seine Tochter den Hof im Jahr 2018 verlassen hatte, wurde er mit 78 Jahren wieder zum „Jungbauer“ und nahm die Arbeit wieder auf, damit sein Hof erhalten bleibt.

Im Jahr 2018 verstarb auch seine dritte Lebensgefährtin, Marlies vom Altbauer Helmut. Marlies ist die ehemalige Nachbarin von Helmut gewesen und die Mutter von Dirk. So kannte Dirk den Helmut auch schon seit vielen Jahren und Helmut lebte die letzten 12 Jahre mit Marlies zusammen. Nach dem Tod von Marlies versuchte Dirk und ich Helmut zu helfen und zu unterstützen. Mal kochten wir für ihn, ein anderes Mal brauchte er dringend Hilfe beim Brunnenbau, da die Kühe kein Wasser mehr hatten, aufgrund der Dürre.

Es gab ja immer etwas auf dem Hof zu tun. Hin und wieder kamen wir abends zum Hof und noch am späten Abend gegen 22 Uhr stand der Altbauer im Stall und melkte die Tiere. Er musste sich seine Kräfte einteilen.

Das ging ca 6 Monate so als dann der Besuch anstand zum Veterinäramt.

Der Besuch ergab, dass hier dringend ein Hofnachfolger her muss oder aber die Tiere binnen 24 Stunden den Hof verlassen müssen.

Das war ein Schock! Dirk verhandelte mit dem Veterinäramt und bat sie dem Helmut die Tiere zu lassen, die schwanger sind. Nachdem er mit mir Rücksprache gehalten hatte, haben wir uns bereit erklärt die Verantwortung für den Hof und dem Altbauer Helmut zunächst als Betreuer zu übernehmen .

Einige Tage später lud der Viehhändler sämtliche Tiere auf! Die Jährlinge verkaufte er weiter als Fresser an einen anderen Landwirt. Die anderen Tiere wurden dann geschlachtet.

An diesem Tag war die Stimmung auch bei Helmut sehr bedrückt!

Noch am Hof waren 11 Kühe und ein Zuchtbulle. 10 Kühe waren tragend und die 11 Kuh war meine und Helmuts Lieblingskuh „Helga“, die allerdings nicht schwanger war, aber ein imposantes Tier. Eigentlich ein Dinosaurier unter den Fleckvieh Kühen. Da hat Helmut einfach einen Strich als Schwanger drauf gemacht ;)!

Eigentlich war Helga eine Katastrophe, denn sie hatte bis dato erst 1 Kalb und war bereits 10 Jahre! Aber Helga ist einfach cool und seit dem hat sie uns immer tolle Kinder, einmal sogar Zwillinge geschenkt.