3. Die Offenbarung eines Zeitzeugen

Ich erinnere mich noch sehr genau an den Tag, als ich in der Küche saß und ich mich mit Helmut, dem Altbauer unterhalten habe.

Helmut 2019 – Pause

Ich wollte mehr von der Person Helmut erfahren. Wer ist dieser Mensch und was hat er alles erlebt. Welche Erfahrungen hat er gemacht und sind diese hilfreich für mich.

Beim erzählen kamen ihm oft dabei die Tränen 😭, denn auch wenn diese Zeit lange vorbei war, so war sie dennoch sehr präsent für ihn.

Helmut erzählte:

„Ich war noch klein. Aber ich kann mich an vieles noch sehr gut erinnern. Als die Phosphor Bomben 💣 in Wesel gefallen sind, kamen die Menschen in scharren weinend hier zum Hof. Über Wesel war alles gelb, die Luft stank und die Papiere der Leute flogen durch die Luft.

Sie hatten alle nur das Nötigste dabei, ihr Leben. Da hat keiner gefragt, hast du ein Bett oder fließend Wasser. Alle waren froh, dass sie ein Dach über den Kopf hatten.

So war das Haus voll mit Menschen, die man gar nicht kannte. Mein Bruder Friedhelm und ich, sowie meine Eltern lagen oft nachts im Wassergraben, als die Stadt bombardiert wurde.“

Helmut erzählte es mir so real, dass selbst mir beim zuhören die Tränen liefen. Auch heute noch überkommt mich dieses Gefühl, wenn ich gerade an die aktuelle Situation in der Ukraine 🇺🇦 denke und an all die Menschen, die von heute auf morgen nichts mehr besitzen oder gar ihr Leben oder ihre Liebsten verlieren. Nie hätte ich gedacht, dass so etwas schreckliches uns ereilen wird in Europa.

Als ich beim putzen im Schrank eine sehr alte Lampe fand, mit Bauernmotiven drauf, erregte diese meine Aufmerksamkeit.

Was hat diese Lampe nur schon alles erlebt? Helmut erzählte mir, dass sie den Krieg überlebt hatte. Seine Mutter hatte damals Laken um die Lampe gewickelt. Als die Bomben 💣 fielen, zerbrachen die Fensterscheiben, aber diese alte Glasdeckenleuchte hat all die Menschen gesehen und den Krieg fast heil überstanden.

Mich wunderte es jedoch, dass er nach all den Jahren so emotional war, wo er doch nach außen hin eher abgeklärt wirkte.

Das Geheimnis habe ich gelüftet. Keiner seiner Kinder oder Frauen hat je danach gefragt, sagte er mir! Nie hat er selber darüber erzählt. Ich bin also die erste Person, die so viele Fragen stellt. Diese vergangenen Erlebnisse haben sich unsagbar tief in seinen Kopf eingebrannt.

Puh…einer der letzten Zeitzeugen kann das erste Mal alles erzählen!!!!

Während wir da beim Plausch in der Küche saßen, hörte ich Geräusche unter der Spüle! Ich ahnte schon, was es sein könnte, denn genug Rattenmist hatte ich beseitigt.

„Ach Mädchen, da wollen wir doch mal schauen, nicht das die Katze 🐈 sich im Schrank verirrt hat!“

Meine schlimmsten Befürchtungen und mein Alptraum wurde wahr 😳😱! Am liebsten wäre ich schreiend aus dem Haus gelaufen. Was für ein riesiges Tier. Nicht so eine kleine Ratte. Nein, dieses Tier ging schon als Hundewelpe durch! Eine echte Wanderratte vermutlich! Helmut hingegen blieb cool und meinte, die hat sich bestimmt verlaufen. Hast du gesehen, was für ein gutes Fell das Tier hatte, fragte er mich! Ernsthaft, hat er das gerade gesagt?!

Der Geruch im 🏡 Haus, er war so beißend! Immer wenn wir morgens kamen, fanden wir neue Rattenköttel – überall. In den ersten Tagen hatte ich die Katzen im Verdacht, wegen dem Geruch. Wobei nur die dreifarbige Katze „Kalle Kind“ im Haus wohnte, während der schwarze Kater 🐈‍⬛ nur draußen lebte.

Aber an diesem Tag, war mir klar, die Katzen sind es nicht! Das Haus ist voll mit Ratten und die haben es sich überall gemütlich gemacht.

Also fingen wir an, YouTube Videos zu gucken, wie man am besten Ratten 🐀fangen kann. Noch heute glaube ich, die Tiere haben uns zugehört bzw. die Videos heimlich mit angeschaut.

Jede Falle die wir selber bauten, mieden sie! Aus dieser Zeit, haben wir echt nicht viele Bilder, aber eins habe ich noch gefunden! Eine super Falle! Wir haben uns echt Mühe gemacht. Die Tiere sind aber wirklich undankbar gewesen 😂!

Unsere Falle steht auf dem Stuhl 🪑

Dennoch gelang es uns, mal die ein oder andere Jungratte lebendig zu fangen.

Zwei auf einen Streich

Inzwischen bekamen wir mit, dass sie durch die Zwischendecken und Wände laufen konnten. Aber den Eingang fanden wir erst viel später. Da gibt es noch einiges drüber zu erzählen.

Das Leben auf einem Bauernhof stellte ich mir jedoch anders vor 🤷‍♀️. Mir war klar, dass ich hier kein Auge zumachen könnte, wenn ich abends Besuch von Nagern hätte.

Um ehrlich zu sein, ließen wir auch keinen wirklich ins Haus, denn uns war es peinlich und Bilder zeigten wir schon gar niemand.

In dieser Zeit lernte ich jedoch jedes und alles über Putzmittel kennen. Letztendlich hatten wir keinen Plan, fingen aber einfach planlos an. Denn Arbeit war mehr als genug da.

Heute, gut 4 Jahre später finden wir bei der Renovierung noch immer tolle Verstecke der Ratten. Zur Zeit lassen wir die Dusche 🚿 für Helmut umbauen. Hinter der Dusche fanden wir eine Höhle. Die Nager wanderten vom Dachboden über einen Küchenschacht wieder raus über den Abfluss! Aber das gehört der Vergangenheit an 🙏!

Rattenloch

Das Haus 🏡 ist schon lange frei von Nagern, aber die Erinnerungen haben sich bei mir fest eingebrannt 🤪!

Da aber kein Bauer mehr hier bei uns aktiv ist und die Tiere kein fressen finden, kommen sie über die Issel (Fluss) im Winter ❄️ zu uns. Auf einem Bauernhof ist halt immer was zu fressen. Leider verteilen sie sich nicht mehr auf 20 Höfe, sondern kommen gerne mit Sack und Pack im Herbst zum letzten aktiven Milchbauer in Wesel Lackhausen.

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